Frühe Neonazi-Organisationen

Zur Jahreswende 1959/60 wird die Bundesrepublik von der sogenannten Hakenkreuz-Schmierwelle erschüttert. Vielerorts werden jüdische Friedhöfe, Gedenkzeichen und Synagogen geschändet. Auch in West-Berlin sind junge Neonazis und ihre Organisationen aktiv. Anfang 1960 versammeln sich zehntausende Berlinerinnen und Berliner zu einer ersten Großdemonstration gegen Neonazismus und Antisemitismus.

 

2. Januar 1960, Volkspark Glienicke, Zehlendorf: Sonnwend-Feier, Hakenkreuze und NS-Parolen

1959 bilden Studierende der Freien und der Technischen Universität eine Sektion des Bundes Nationaler Studenten. Gleichzeitig gründen junge Neonazis die National-Jugend Deutschlands. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen und halten gemeinsame Schulungen ab. Mehrfach stören ihre Mitglieder öffentliche Veranstaltungen, die der kritischen Aufklärung über die nationalsozialistische Vergangenheit gewidmet sind.

Der Berliner Senat und die Universitätsleitungen gehen gegen die Neonazis vor. Im Dezember 1959 untersagt Innensenator Joachim Lipschitz mehrere Veranstaltungen des Bundes Nationaler Studenten. Außerdem verbietet er eine geplante Sonnwend-Feier der National-Jugend Deutschlands. Als sich am 2. Januar 1960 eine Gruppe junger Neonazis heimlich im Volkspark Glienicke trifft, um die verbotene Feier nachzuholen, schreitet die Polizei ein. In derselben Nacht kommt es in der Stadt zu den ersten Schmierereien von Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen. [Hintergrundartikel „Hakenkreuz-Schmierwelle“]

Nicht nur in West-Berlin sondern auch bundesweit werden in diesen Wochen jüdische Friedhöfe, Gedenkzeichen und Synagogen mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen beschmiert. Erstmals tritt dabei eine jüngere Generation in Aktion, die nach dem Ende des Nationalsozialismus aufgewachsen ist.

Viele Berliner und Berlinerinnen haben das Bedürfnis, dem etwas entgegenzusetzen. Am 8. Januar 1960 versammeln sich über 40.000 Menschen am Steinplatz, um gegen Neonazismus und Antisemitismus zu demonstrieren. Zehn Tage später kommen dort nochmals 3.000 Menschen zusammen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

 

Glossar

Bei einer Sonnwend-Feier wird der längste oder der kürzeste Tag des Jahres gefeiert. Feiern zur Sommer­sonnenwende gibt es in vielen Kulturen. Die Nationalsozialisten übernehmen diese Tradition und ver­anstalten jedes Jahr am 23. Juni Sonnwend-Feiern. Während der Zeit des Nationalsozialismus findet die zentrale Sonnwend-Feier im Berliner Olympiastadion statt.

Das Hakenkreuz ist seit etwa 4.000 Jahren in vielen Kulturen als Heilszeichen verbreitet. Die National­sozialisten übernehmen das Hakenkreuz als Symbol ihrer Herrschaft. Während der Zeit des National­sozialismus ist das Hakenkreuz überall gegenwärtig.

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