07. November 1970Schüsse auf Sowjetsoldat

Artikel aus der „zitty“ vom 08. August 1980 über den Umgang mit Nazi Weil
Artikel aus der „zitty“ vom 08. August 1980 über den Umgang mit Nazi Weil

Am 7. November 1970 schießt der Neonazi Ekkehard Weil (21) mit einem Kleinkaliber-Gewehr auf einen Wachsoldaten am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten. Der 20-jährige Iwan Iwanowitsch Schtscherbak wird an der Hand und in die Brust getroffen und schwer verletzt. An einem Pavillon im Tiergarten wurden mehrere Parolen hinterlassen wie „Zerschlagt die rote Korruption“, „Auftakt gegen den Bolschewismus“ und „Widerstand gegen den Ausverkauf Deutschlands“, unterschrieben wurde mit dem Schriftzug „Europäische Befreiungsfront“. Schon einen Tag später wurde der Krankenpfleger aus Berlin-Kreuzberg verhaftet.

Reaktionen und Ermittlungen: Der angebliche Einzeltäter Weil

Die politischen Parteien verurteilten den Anschlag als Versuch, die Entspannungsbemühungen der Bundesregierung unter Willy Brandt anzugreifen. Die Tat sei durch die Hetztiraden im Wahlkampf und durch die stark emotionalisierten politischen Auseinandersetzungen provoziert. Die Polizei schloß aus, dass es sich bei Ekkehard Weil um einen Einzeltäter handeln könne. Die Ausführung des Anschlages sei „zuviel für einen“.

Trotzdem kam während des Prozesses vor einem britischen Militärgericht der politische Hintergrund allein durch die Verteidigung Weils, die u.a. der bekannte Berliner Rechtsanwalt Wolfram von Heynitz (7. Juni 1977 in Berlin verstorben) übernommen hatte, zur Sprache. Weil berichtete teilweise freimütig über seine Kontaktpersonen, die den Anschlag mit vorbereitet hätten und die er bereits in den Jahren 1967/68 im Dunstkreis des Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) kennen gelernt haben wollte. Belegt ist Weils Zugehörigkeit zu der extrem rechten Gemeinschaft Deutscher Jugend bereits in den Jahren 1964-66. Weil wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen „guter Führung“ wurde er im Sommer 1976 vorzeitig entlassen.

Weils weitere Terror-Karriere

Nach seiner Haftzeit blieb Weil seinen militanten Nazi-Aktivitäten treu. 1977 verübte er mit weiteren bekannten Personen einen Brandanschlag auf das Büro des Parteivorstandes der Sozialistischen Einheitspartei West-Berlin (SEW), wofür er 1978 drei Jahre Haft erhielt. Nach dem Ende des Prozesses verprügelte Weil im Gerichtssaal einen Journalisten, der ihm wegen der engagierten Berichterstattung zu seinem Fall bekannt war und brach diesem das Nasenbein. Dafür kassierte Weil nochmal sechs Monate. Nach nur anderthalb Jahren Haft flüchtete er im Oktober 1979 bei einem Hafturlaub (!). Anfang der 1980er-Jahre bombte sich Weil durch Österreich, wo ihm 1983 mit weiteren österreichischen Gesinnungsgenossen der Prozess gemacht wurde.

Artikel aus der "zitty" vom 08. August 1980 über den Umgang mit Nazi Weil
Artikel aus der „zitty“ vom 08. August 1980 über den Umgang mit Neonazi Weil