Ein Ort zum Ankommen und ein Ort der interkulturellen Begegnung

Im Verein Joliba werden Afrikanerinnen und Afrikaner als Teil einer interkulturellen Community in Berlin willkommen geheißen. Joliba ist der einzige anerkannte freie Träger mit dem Schwerpunkt afrikanische Community in Berlin, der Menschen afrikanischer Herkunft, Afro-deutschen Familien und andere mit professioneller Sozialberatung und aufsuchenden Hilfen unterstützt. In den 17 Jahren seit der Vereinsgründung hat das Team im Joliba e.V. eine Expertise in der Beratung von Menschen mit afrikanischen Wurzeln erworben, die in der Berliner Trägerlandschaft singulär ist.

 

Kitas, Schulen und Jugendämter und die afrikanischen Familien sind dankbar für die Vermittlungsarbeit, die Joliba in der aufsuchenden Sozialarbeit zwischen den Familien, den Ämtern und Betreuungspersonen leistet. Kommunikationsbarrieren werden abgebaut, und mit der Unterstützung einer afrikanischen Sozialarbeiterin, die in Deutschland ausgebildet wurde, gelingt es, die Kinder in den Familien zu belassen und den afrikanischen Eltern dabei zu helfen ihre Umwelt besser zu verstehen und sich zurecht zu finden.

„Zu den Beratungsterminen, dem Deutsch-Konversationskurs und der Computereinführung kommen mittlerweile, statt 5-6 Personen in der Woche, bis zu 8-10 Personen täglich in das Joliba-Beratungscenter in der Görlitzer Straße.“

Die tägliche Beratung und Begleitung ratsuchender Menschen aus Afrika aber auch aus anderen Kontinenten / Kulturen wird zurzeit überwiegend von den langjährigen Ehrenamtlichen und von den Praktikant_innen der Alice Salomon Hochschule für Sozialarbeit geleistet. Joliba wird weder von der Stadt Berlin noch aus Bundesmitteln unterstützt, deshalb müssen alle Mitarbeiter_innen auf Honorarbasis arbeiten. Es versteht sich, dass hierdurch die Lage des Vereins äußerst unsicher bleibt. Ende 2013 hat der Verein im Auftrag des Bezirks drei Monate lang ein Projekt mit den Afrikanern im Görlitzer Park durchgeführt, seitdem hat sich die Nachfrage nach unseren Angeboten vervielfacht. Zu den Beratungsterminen, dem Deutsch-Konversationskurs und der Computereinführung kommen mittlerweile, statt 5-6 Personen in der Woche, bis zu 8-10 Personen täglich in das Joliba- Beratungscenter in der Görlitzer Straße. Einige der Afrikaner, die früher im Park abhingen, verbringen jetzt so viel Zeit wie möglich im Joliba-Center. Sie formulieren es als eine Chance etwas aus sich zu machen und ihren ursprünglichen Zielen näher zu kommen. Die Menschen, mit denen wir im Joliba arbeiten, sind Männer und Frauen aus Afrika und anderen Weltregionen (u.a. Arabien, Osteuropa, Asien und Südamerika), aber auch interkulturelle Paare und Familien mit Kindern. Ob sie nach längeren Fluchtwegen oder direkt nach Deutschland kamen, immer bleibt der Wunsch den eigenen Unterhalt zu verdienen und etwas nach Hause zu ihren Familien schicken zu können und für die Jüngeren ist es der Wunsch die Schule besuchen und eine Ausbildung machen zu können. Joliba e.V. würde gerne noch mehr Angebote zur beruflichen Integration machen. Im Joliba finden die Ratsuchenden erst einmal die Möglichkeit anzukommen und Strukturen und Anforderungen kennenzulernen.

Die Helfenden wie die Ratsuchenden im Joliba e.V. haben die unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Hintergründe. Damit dabei ein gleichberechtigtes und respektvolles Miteinander möglich ist, war es wichtig zwei Voraussetzungen als Grundbedingung zu etablieren: jede/r ist willkommen und der Umgang ist freundlich. Das mag einfach klingen, ist jedoch nicht so simpel wie es scheint. Außerdem implizieren diese Maximen, dass der eigene Platz nicht erkämpft werden muss, sondern sich daraus entwickelt, ob ich mich in diesem Ort / in diesem Projekt engagieren möchte. Gleichzeitig stellt sich eine Achtsamkeit ein, weil ich mein Gegenüber aufmerksam und respektvoll wahrnehmen muss, wenn ich mich nicht auf Stereotype und Vorannahmen verlasse um in Beziehung zu treten. Also ist Joliba in dieser Hinsicht ein Ort des interkulturellen Lernens. Die Gründungsidee des Joliba-Vereines, getragen von einer Afro-deutschen, einem Afro-Brasilianer und einer weißen Deutschen, war es professionelle Unterstützungsangebote für Menschen afrikanischer Herkunft und ihre Kinder anzubieten und interkulturelle Projekte zu initiieren und umzusetzen. Diese Ziele werden repräsentiert durch den Namen: Joliba heißt großer Strom und in einem großen Fluss sollten die Energien zusammenfließen um interkulturelle Projekte entstehen zulassen.

1986 war das Buch »Farbe bekennen. Afro- deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte« erschienen. 1985/1986 wurden die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und die Afro-deutsche Frauengruppe (ADEFRA) gegründet. Ab 1987 erschien zwölf Jahre lang die »Afro-Look. Eine Zeitschrift von Schwarzen Deutschen« und von 1988 bis 1998 wurde im Februar der von der ISD initiierte »Black History Month« in Berlin erstmals als regelmäßiger Event durchgeführt. Der Joliba e.V. ist aus dieser Bewegung hervorgegangen und hatte von Beginn an das Ziel gesellschaftliche Veränderung durch Bildungs- und Kulturarbeit anzustoßen. Daraus entwickelte sich ein recht erfolgreicher ganzheitlicher Ansatz der Wechselwirkung aus der professionellen sozialen Arbeit und den Kultur- und Bildungsprojekten. Dieser bewirkt, dass sich die Teilnehmenden in den verschiedenen Bereichen durch das Wissen um die anderen Bereiche bestärkt fühlen und hierdurch eigene Kräfte freigesetzt werden. Unter anderem wurden im Joliba Konzepte zur interkulturellen Sensibilisierung in der Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen entwickelt und Workshopreihen durchgeführt (FairWay 2008, 2009 und 2012) sowie Elternworkshops für Eltern und Betreuer_innen von schwarzen Kindern seit 2002 (mit Tupoka Ogette 2013/2014).

„Joliba versucht über Veranstaltungsreihen zu Geschichte, Kunst und Kultur differenzierte Bilder von schwarzen Menschen zu vermitteln. Dabei ist uns das Interesse an den Fakten genauso wichtig wie die Freude über das neu entdeckte Wissen.“

Thematische Angebote gibt es für Kinder und Jugendliche: von Kinderfesten über Kinder-Mal- und Kreativgruppe bis zu Kunst-, Film- und Geschichtsworkshops für Jugendliche wurden umgesetzt. Zuletzt wurde im Rahmen des Themenjahres »Zerstörte Vielfalt« das Projekt »Spurensuche. Alltag schwarzer Menschen unter der NS-Diktatur« durchgeführt. Eine historische Ausstellungsinstallation und ein Jugend-Kunstworkshop mit dem bildenden Künstler Satch Hoyt fanden statt. Für dieses Projekt erhielt Joliba den dritten Preis von »Respekt gewinnt!« In der Begründung bei der Preisverleihung hieß es: »Der Verein Joliba e.V. erhielt den Preis insbesondere für sein ›Ausstellungsprojekt: Spurensuche‹. Die Jury war von dieser Fotoausstellung beeindruckt weil sie in besonderer Weise auf die öffentlich wenig wahrgenommenen Schicksale schwarzer Menschen im Nationalsozialismus aufmerksam macht, gleichzeitig auf die historische Tatsache der Vielfalt in der deutschen Gesellschaft hinweist und damit unser Bewusstsein für ein ganzheitliches Geschichtsbewusstsein stärkt.

Aber auch das generelle Engagement des Vereins soll durch die Auszeichnung gewürdigt werden. Denn der Verein Joliba e.V. engagiert sich bereits seit vielen Jahren für das interkulturelle Zusammenleben in Berlin. Der Blick des Vereins richtet sich dabei immer auch auf das Gemeinwesen: sei es mit Kinderfesten und Eltern-Kind-Gruppen; Ausstellungen; Lesungen; Seminaren oder mit dem Eintreten für eine Kultur des Respekts im Görlitzer Park. Der Berliner Ratschlag für Demokratie freut sich sehr über das große Engagement von allen Beteiligten bei Joliba e.V. und möchte das Projekt mit dem Preisgeld und der Ehrung ermutigen die Arbeit fortzusetzen«. Die Anerkennung und vor allem auch dass unsere Arbeit in seinem vielfältigen Ansatz wahrgenommen wurde, war für den Joliba und sein ganzes Team eine große Genugtuung. Zwar ist ein Teil der Methodenvielfalt, die sich in den Joliba-Projekten zeigt, auch der Not geschuldet, dass wir ohne institutionelle Förderung auf die Förderung von einzelnen Projekten angewiesen waren und sind. Andererseits sind die kreativen Methoden ganz wichtig in der Arbeit mit unseren Zielgruppen. So lassen sich die Erfahrungen von Flucht, Traumatisierungen und Ausgrenzung mit künstlerischen Mitteln leichter ausdrücken und selbstbestimmt bearbeiten.

Das Element der Sichtbarmachung ist für Menschen afrikanischer Herkunft wichtig. Die von Rassismus oder Vorurteilen belastete Lebenserfahrung von schwarzen Menschen in Deutschland beinhaltet die widersprüchliche Erfahrung von übermäßiger Sichtbarkeit (Hautfarbe als Marker der Aussonderung) bei gleichzeitiger Unsichtbarkeit (Schwarze Menschen werden über Stereotype definiert und dadurch als Personen nicht mehr wahrgenommen). Joliba versucht über Veranstaltungsreihen zu Geschichte, Kunst und Kultur differenzierte Bilder von schwarzen Menschen zu vermitteln. Dabei ist uns das Interesse an den Fakten genauso wichtig wie die Freude über das neuentdeckte Wissen. Das beste Beispiel für diesen Aspekt der Arbeit des Joliba e.V. ist der Black Basar Berlin, den wir von 2005 bis 2014 als ganztägigen Event zum Black History Month immer im Februar durchführten. Hier hatten schwarze Künstler_innen in Berlin die Möglichkeit aufzutreten und Proben ihrer Arbeit einer interessierten Berliner Öffentlichkeit vorzustellen.

In diesem Jahr haben wir in der Ausstellung die Bilder von zwei afrikanischen Künstlern gezeigt, von denen der eine einer der Flüchtlinge aus dem Görlitzer Park ist und der andere ein Maler und Theatermacher, der mit den Flüchtlingen aus dem Protestcamp am Oranienplatz ein Kunstprojekt durchgeführt hat. Hier schließt sich der Kreis zum Anfang dieses Artikels, nämlich der Arbeit mit den afrikanischen Migranten und Migrantinnen. Beide Bereiche – das Joliba-Center als auch die Bildungs- und Kulturarbeit – sind finanziell nicht ausreichend gefördert. Nur durch das große ehrenamtliche Engagement der Menschen im Joliba konnten die bisherigen Projekte des Joliba e.V. umgesetzt werden. Zum Beispiel wurde die Sozialberatung am Mittwoch durchgeführt durch drei Sozialarbeiterinnen (angeboten in vier Sprachen) von Januar bis Mitte März durch eine großzügige private Spende finanziert. Für die nächsten drei Monate können wir auf Spendenmittel der Sternthaler Aktion des Tagesspiegels zählen.

Dieses Beispiel macht deutlich, warum wir zwar weiterhin auf Unterstützung durch den Bezirk und den Senat hoffen, aber wenn die Förderung doch weiterhin ausbleibt, wir auf andere Fördermöglichkeiten oder Spendenaktionen zurückgreifen müssen. Auch wenn diese Gesellschaft vielleicht noch nicht soweit ist zu erkennen, wie wichtig es ist Menschen afrikanischer Herkunft nicht nur als dekoratives Beiwerk oder als lästige Menschenmenge in Flüchtlingsbooten und Flüchtlingsheimen zu sehen, sondern sie endlich als Teil der deutschen Gesellschaft anzuerkennen, der gefördert und integriert werden sollte, wenn wir keine neue Problembevölkerungsgruppe entstehen lassen wollen. Es ist eine Frage der politischen Entscheidung soweit es die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik betrifft. Jeder / jede Einzelne von uns ist jedoch gefragt, wenn es um die interkulturelle Sensibilisierung geht und um das Zusammenleben mit unseren unterschiedlichen Kulturen und Erfahrungen. Im Joliba wird dies zum Teil erprobt und erfahrbar gemacht. Es war auch für uns ein Auf und Ab der Lernerfahrung, nicht ohne schwierige Anteile, aber auch wenn es ein langer Weg ist, so würden die Menschen im Joliba-Verein doch sagen, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen.

JOLIBA – Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V. ist ein gemeinnütziger Verein. Der 1997 gegründete Verein hat die Initiierung und Umsetzung von Projekten zum Ziel, die das interkulturelle Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis von Menschen fördern. JOLIBA e.V. ist ein anerkannter freier Träger der Eingliederungshilfen und widmet sich als solcher der Konzeptualisierung und Durchführung von psycho-sozialen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien im interkulturellen Bereich, insbesondere für afrikanisch-deutsche Familien. Die unserer Arbeit zugrunde liegenden Konzepte beziehen die spezifischen Erfahrungen der Interkulturalität, der Migration, Kriegs- und Fluchterfahrung sowie Diskriminierungs- und Rassismuserfahrung ein. JOLIBA e.V. setzt seine Ziele im Bildungs- und Kulturbereich durch eine Vielfalt von Veranstaltungen um. Hierzu gehören: regelmäßige Kinderfeste und Eltern-Kind-Gruppen; Ausstellungen; Lesungen; Seminare und vieles mehr. JOLIBA e.V. ist im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain mit eigenen Räumen vertreten, führt die Angebote aber in allen Bezirken durch.

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