20. September 2015Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Gedenken am 20. September 2018 für den ermordeten Luke Holland am Tatort in Berlin-Neukölln. | Foto: Paul Hanewacker

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Rita und Phil Holland, die Eltern von Luke Holland, bei einer Pressekonferenz am 11. Januar 2016. | Foto: Frank Metzger / apabiz

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Rita und Phil Holland mit Melek und Ahmed Bekaş, den Eltern von Burak Bektaş, nach der gemeinsamen Pressekonferenz am 11. Januar 2016. Die Mutter von Burak Bekaş hält ein Bild ihres ermordeten Sohnes. | Foto: Frank Metzger / apabiz

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Wandplakat für die ermordeten Burak Bektaş und Luke Holland in Berlin-Kreuzberg im März 2016. | Foto: Frank Metzger / apabiz

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Demonstration am 9. April 2016 anlässlich des Todestages von Burak Bektaş. | Foto: Frank Metzger / apabiz

Luke Holland wird in Neukölln ermordet

Gedenkplakette für Luke Holland am Tatort in Berlin-Neukölln. | Foto: Paul Hanewacker

In der Nacht auf den 20. September 2015 wurde Luke Holland in der Neuköllner Ringbahnstraße ermordet. Der Neonazi Rolf Z. erschoss den 31-jährigen britischen Juristen kaltblütig und ohne Vorwarnung aus nächster Nähe mit einer Schrotflinte.

Opfer und Täter waren zuvor in der mittlerweile geschlossenen Bar „Del Rex“ zu Gast gewesen. Rolf Z. hatte diese zwischenzeitlich verlassen und die Tatwaffe aus seiner Wohnung in der Nähe geholt. Luke Holland telefonierte gerade vor der Tür, als Rolf Z. zurückgekehrte und ihn ermordete. Z. wurde noch am Tatort von aus der Bar eilenden Gästen gesehen und angesprochen, verschwand aber zunächst. Noch am Abend konnte er in Nähe des Tatorts festgenommen werden.

Im folgenden Gerichtsprozess schwieg Rolf Z. beharrlich, wurde aber auch ohne direkte*n Tatzeug*in letztlich zu elf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Das Gericht betonte im Urteil, dass er den Mord heimtückisch verübt hatte. Ein politisches Motiv stellte das Gericht nicht fest. Berücksichtigt wurde hingegen, dass Z. unter Alkoholeinfluss gestanden habe.

Kein politisches Motiv?

Dass der Vorsitzende Richter eine extrem rechte Motivation nicht erkannte und diese bei der Urteilsverkündung keine Rolle spielte, wird bis heute von Familie und Freund*innen Luke Hollands, ihren Anwälten sowie der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş scharf kritisiert. Denn vieles deutet auf ein solches Motiv hin: Rolf Z. hatte sich in der Bar abfällig gegenüber Schwulen geäußert und beklagt, dass sich seine alte Stammkneipe stark verändert habe und dort kaum noch deutsch gesprochen werde. Zeug*innen aus seinem persönlichen Umfeld hatten zudem im Prozess ausgesagt, Z. habe sich mehrfach rassistisch geäußert und Sympathien für die NPD bekundet. In seiner Wohnung hatte er darüber hinaus Schusswaffen, Munition und Schwarzpulver sowie Nazi-Devotionalien gehortet.

Die Eltern Rita und Phil Holland waren stets der Überzeugung, dass Luke von einem Neonazi ermordet worden sei, „weil unser Sohn Englisch sprach“. In seinem Abschlussstatement vor Gericht beschrieb Phil Holland seinen Sohn wie folgt:

„He was, and should still be, intelligent, funny, hard working, helpful and caring. I did not know how caring, and loved, until over 300 people attended his funeral, the majority I did not know.“ – Phil Holland über seinen Sohn Luke

(Übersetzung: „Er war – und sollte es noch sein – intelligent, lustig, hart arbeitend, hilfsbereit und liebevoll. Ich wusste nicht wie liebevoll und geliebt, bis mehr als 300 Personen zu seiner Beerdigung kamen. Die meisten kannte ich nicht.“) Wie beliebt Luke war, verdeutlichten die von Rita Holland im Anschluss verlesenen Beileidsbekundungen von Dutzenden internationalen Freund*innen und Arbeitskolleg*innen, die ihn allesamt als überaus freundlichen, herzlichen und loyalen Menschen beschreiben. Besonders tragisch und traurig ist, dass Rita Holland den Schmerz über den Verlust ihres Sohnes nicht ertragen konnte und sich am 21. Oktober 2019 das Leben nahm. Phil Holland legt neben dem Mord an seinem Sohn Luke auch den Verlust seiner Ehefrau Rita dem verurteilten Rolf Z. zur Last.

Querverweis zum Mord an Burak Bektaş

Im Zuge des Gerichtsverfahrens im Mordfall Luke Holland wurde bekannt, dass Rolf Z. zudem in den Ermittlungsakten zum Mordfall Burak Bektaş vermerkt ist. Burak Bektaş war in der Nacht auf den 5. April 2012 ebenfalls aus nächster Nähe in Neukölln von einem bis heute unbekannten Täter erschossen worden. Zwei seiner Freunde wurden schwer verletzt. Ein Hinweisgeber hatte Ende 2013 Rolf Z. als möglichen Täter benannt und ausgesagt, dass Z. ihm bereits 2006 eine scharfe Waffe gezeigt und nach Munition gefragt habe. Außerdem habe sich Z. von ihm in die Nähe des Tatorts fahren lassen, um sich dort mit seinem Bruder „zum Rumballern“ zu treffen. Diese Informationen hatte der Hinweisgeber bereits 2006 der Polizei mitgeteilt. Doch weder damals noch 2013 ging die Polizei nach Auffassung der Anwält*innen diesen Informationen ausreichend nach. Die Familien Bektaş und Holland, ihre Anwält*innen sowie die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş werfen den ermittelnden Behörden daher vor, nachlässig gehandelt zu haben. Ihrer Meinung nach stellt sich nach wie vor die dringende Frage, ob Rolf Z. nicht auch als Täter im Mordfall Burak Bektaş in Betracht kommt. Phil Holland erhebt darüber hinaus den schmerzhaften Vorwurf, dass sowohl sein Sohn als auch seine Ehefrau noch am Leben sein könnten, hätte die Polizei mit der nötigen Sorgfalt ihre Aufgabe erfüllt.

 


Anlässlich des 5. Todestags von Luke Holland am Sonntag, den 20. September 2020, veranstaltet die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş in Absprache mit Familie und Freund*innen von Luke Holland um 16 Uhr ein Gedenken am Tatort (Walterstraße/ Ecke Ringbahnstraße).

Weitere Informationen zu den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland finden sich auf dem Blog der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş.

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