Rechte Burschenschafter wollen in Steglitz feiern

Anlässlich der Gründung der Berliner Burschenschaft vor 200 Jahren plant die Vereinigung Alter Burschenschafter zu Berlin (VAB) gemeinsam mit der Berliner Burschenschaft Arminia für den kommenden Samstag einen Festakt in Steglitz.

 
Übermäßiger Alkoholkonsum als Männlichkeitsbeweis gehört zum Selbstbild der Burschenschafter. Screenshot Arminia Berlin

Beim angekündigten „Festkommers“ handelt es sich um ein ritualisiertes Zusammenkommen mit festen Trink- und Verhaltensregeln. Titel der Veranstaltung: „200 Jahre Berliner Burschenschaft“. Angekündigt ist die geschlossene Veranstaltung ab 20 Uhr im Hotel Steglitz International. Beide Gruppierungen verfügen über Verbindungen zur extremen Rechten.

Bei der VAB handelt es sich um eine Vereinigung „Alter Herren“. Diese fungieren häufig als Finanziers der Burschenschaftshäuser und versorgen die aktiven Verbindungsstudenten mit Kontakten in die Arbeitswelt. Der VAB ist laut eigener Aussage „der von burschenschaftlichen Dachverbänden unabhängige Zusammenschluß der in Berlin und dem Umland ansässigen Alten Burschenschafter.“ Laut Homepage umfasst er 270 Mitglieder. Als Kontaktadresse des VAB dient die Villa der pflichtschlagenden extrem rechten Berliner Burschenschaft Gothia in Zehlendorf.

Die Gothia verfügt neben guten Kontakten zur AfD auch über enge Verbindungen zur völkisch-nationalistischen „Identitären Bewegung“ (IB). Ausweislich einer Drucksache des Berliner Abgeordnetenhauses vom 14. Juli 2017 nutzten im Juni 2017 mehrere Personen aus diesen Spektrum im Vorfeld der Demonstration der Identitären im Wedding (Berlin rechtsaußen berichtete) das Haus der Gothen als Übernachtungsplatz. Im Internet kursieren zudem Fotos, welche Mitglieder der Gothia beim Grillen im hauseigenen Garten mit Mitgliedern der Jungen Alternative (JA) und der IB zeigen sollen. Einige Gothen sind Funktionäre der AfD und JA.

Die ebenfalls pflichtschlagende Burschenschaft Arminia Berlin, welche am Samstag als Mitveranstalterin fungiert und sich in der Tradition der am 2. Juni 1818 gegründeten Berliner Burschenschaft sieht, ist ebenso wie die Gothia im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) organisiert. Dieser umfasst derzeit etwa 65 Mitgliedsbünde. Der Verband steht seit Jahrzehnten aufgrund seiner völkischen Positionen und personellen Überschneidungen zur extremen Rechten in der Kritik (Vgl. apabiz-Dossier: Burschenschaften & Studentenverbindungen) Recherchen von taz, der rechte rand und apabiz belegten unlängst die enge Zusammenarbeit zwischen Gothia, Deutscher Burschenschaft und der AfD.

Als derzeit einzige Berliner Burschenschaft ist die Arminia in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisiert, einem 1961 gegründeten Zusammenschluss extrem rechter Burschenschaften in Deutschland und Österreich. Die BG war maßgeblich für die Verankerung des „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriffs“ in die Grundsätze der DB verantwortlich, in deren Folge auch österreichische Verbindungen in den Dachverband aufgenommen wurden. Auf ihrer Homepage verweisen die Arminen zudem unter der Überschrift „Initiativen, Stiftungen und Vereine“ auf Zusammenhänge der sogenannten Neuen Rechten, darunter das Institut für Staatspolitik und das (Online)-Zeitungsprojekt Blaue Narzisse.

Auf Nachfrage von Berlin rechtsaußen beurteilte die Leitung des Hotels Steglitz International den politischen Hintergrund der Veranstalter durchaus kritisch. Man betrachte das Haus aber als „politisch neutralen Ort“. Sollte man von Verstößen gegen die Hausordnung erfahren, wolle man das Hausrecht allerdings durchsetzen.

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