Von Alt-Treptow in den rechten Orbit (Langversion)

Im Herbst sorgte eine von der Linkspartei in Berlin organisierte Informationsveranstaltung zum rechten Online-Magazin Apollo News für Schlagzeilen. Die Aufregungsmaschine setzte sich in Gang: Hier würde die Pressefreiheit angegriffen und mit Gewalt gedroht. In der Folge kam es zu Drohungen gegen die eingeladene Referentin der Amadeu Antonio Stiftung. Auch das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich mit dem Vorgang. Doch was und wer ist Apollo News eigentlich – eine kritische Einordnung.

 
Foto: NASA auf unsplash.com

Wer durch die beschaulichen Straßen Alt-Treptows spaziert, trifft auf ruhige Mehrfamilienhäuser, Spielplätze, viel Grün und inzwischen auch vermehrt Cafés, Restaurants und kleine Modegeschäfte. Der innerhalb des S-Bahn-Rings gelegene Teil des Bezirks ist aufgrund seiner guten Anbindung bei gleichzeitiger relativer Ruhe sehr beliebt. Für Unruhe sorgte zuletzt vor allem die Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100. Der Stadtteil wählt insgesamt eher links-grün, es gibt verschiedene Sozial- und Nachbarschaftsprojekte. Diese reichen vom Ausleihladen für Alltagsgegenstände, gemeinschaftlichem Gärtnern, dem Kinder-und Jugendzirkus Cabuwazi bis zur KungerKiez-Gallerie. Soweit so schön. Dass genau in dieser Nachbarschaft eines der reichweitenstärksten rechten Nachrichtenportale des Landes seinen Redaktionssitz hat, überrascht.

Seit 2024 befindet sich hier die Redaktion von Apollo News und das in einem durchaus repräsentativen 180-Quadratmeter großen Loft. Das Portal wurde 2018 zunächst als Schüler*innenblog gegründet. Erfahrungen sammelte das Team um den heutigen Chefredakteur Max Mannhart größtenteils bei Tichys Einblick und später bei Rome Medien. Mannhart war zeitweise Leiter des Blogs Pleiteticker (Vorläufer von NIUS um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt), bevor er 2023 Apollo News als eigenständiges Medium neu startete. Inzwischen hat das Projekt eine beachtliche Professionalisierung durchlaufen. Die sehr junge Redaktion umfasst 20 Mitglieder, nach Medienberichten fast alle unter 30 Jahre alt.

Eine Analyse des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) zur Bundestagswahl 2025 zählt Apollo News wiederholt zu den meist geteilten „Alternativmedien“ auf Telegram, zeitweise noch vor Plattformen wie NIUS, Auf1TV, Tichys Einblick oder der Jungen Freiheit. Apollo News ist inzwischen eine relevante Stimme in der Symphonie rechter bis extrem rechter Online-Medien und Influencer*innen. In Abgrenzung zu journalistischen Medien definiert CeMAS Alternative Medien als

„Internet-Outlets, die sich selbst als Medien bezeichnen, aber wenig auf journalistische Standards wie etwa Wahrhaftigkeit, Genauigkeit, Faktenbasiertheit, Quellenprüfung, Unabhängigkeit, Objektivität, Fairness achten“.

Inhalte und Tonfall

Apollo sieht sich selbst als ,Underdog‘ und moniert, dass sich zu viele Journalist*innen dem politischen Machtzentrum in Berlin angenähert hätten. Damit geriert sich die Redaktion wie viele andere rechte Medien als Teil einer unangepassten und gegen die Herrschaft der ,Mächtigen‘ gerichteten Gegenöffentlichkeit. Die Selbstdarstellung (extrem) rechter Akteur*innen ist nicht selten strategisch gewählt. Chefredakteur Max Mannhart beschreibt die politische Verortung von Apollo News gegenüber dem journalistischen Fachblatt Medium Magazin[1] als „bürgerlich und liberal-konservativ“. Wikipedia wirft den Begriff „rechtslibertär“ in den Ring. Ein Zeit-Artikel resümiert „Jung, gebildet, rechts“.

Abgearbeitet wird sich an den gängigen Feindbildern der konservativen bis extremen Rechten: Migration und Kriminalität (gern in Kombination), die Grünen und Klimapolitik, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, queere Lebensentwürfe und Genderpolitik sowie selbstverständlich Linke und alle, die sich als antifaschistisch verstehen. Anders als weite Teile der deutschen extremen Rechten ist Apollo durchaus kritisch gegenüber Putin und solidarisiert sich mit der Ukraine. Ähnlich wie NIUS und Teile der AfD gibt Apollo sich zudem israelfreundlich und kritisiert Antisemitismus, sofern man diesen bei muslimischen Migrant*innen und Linken verorten kann.

„Rechtslibertär“ ist als inhaltliche Klammer durchaus angemessen. In diesem Zusammenhang ist libertär nicht etwa als Synonym für anarchistisch zu verstehen, sondern meint ultra-neoliberale Ansichten. Diese laufen darauf hinaus, staatliche Befugnisse und Funktionen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Dies betrifft nicht zuletzt den sozialen und kulturellen Bereich.

„Bürgerlich, ruhig“ wie es die Zeit formulierte, ist der Ton bei Apollo mitnichten. Zwar können sich die Redakteur*innen durchaus gepflegt artikulieren, wenn dies gewünscht ist. Häufig ist der Ton jedoch gereizt, polemisch oder schlicht beleidigend. Dabei ist Apollo stets auf der Suche nach dem nächsten Aufreger-Thema, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Die Redaktion – Teil 1

Zentrale Figur bei Apollo, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch, ist dessen Chefredakteur und Geschäftsführer Max Mannhart, Jahrgang 2002. Neben dem Schreiben von Artikeln moderiert er einen (Video-)Podcast, in dem regelmäßig Gäste eingeladen werden sowie kurze Videoformate, in denen er z.T. tagesaktuell auf das politische Zeitgeschehen eingeht.

Unter dem Pseudonym „Air Tuerkis“ schrieb Mannhart bereits für den Blog Achse des Guten. Später veröffentlichte er bei Tichys Einblick und wechselte dann zum NIUS-Vorgänger Pleiteticker.de. Als Apollos bisher größten journalistischen Erfolg bezeichnete Mannhart gegen über dem Medium Magazin die 2024 veröffentlichten Recherchen rund um den Präsidenten des Thüringer Amtes für Verfassungsschutz (AfV), Stephan Kramer. Apollo skandalisiert darin Kramers Amtsführung, wirft ihm Fehlverhalten sowie „Rockerkontakte nach Russland“ vor. Vieles davon ist nicht neu.


Exkurs „Kramer-Komplex“

2015 nahm Kramer, der selbst passionierter Motorradfahrer ist, an einer Kranzniederlegung an einem sowjetischen Ehrenmahl in Brandenburg teil. Brisant daran: Auch Teile des russisch-nationalistischen Motorrad-Rocker-Clubs „Nachtwölfe“ waren zugegen. Fotos der Veranstaltung wurden erstmals 2019 auf Indymedia veröffentlicht. Auf der Plattform kann jede*r ungeprüft und anonym Inhalte publizieren. Wer in diesem Fall Urheber*in ist, bleibt ungeklärt. Die Welt vermutete, dass es sich möglicherweise um Kramer-kritische Verfassungsschutzmitarbeitende gehandelt haben könnte. Kramer ist innerhalb des Amtes umstritten, insbesondere weil er sich dafür einsetzte, die AfD als „Prüffall“ einzustufen. Kramer selbst bezeichnete seine Teilnahme an der Veranstaltung in Brandenburg im Nachhinein als Fehler.

Auch die Thüringer Allgemeine berichtete bereits 2019 über interne Vorwürfe gegen Kramer bezüglich dessen Amtsführung. Neu an den von Apollo News zum „Kramer-Komplex“ erklärten Vorgängen sei laut Einschätzung des Medium Magazins die Behauptung, Kramer habe vor der Einstufung der Thüringer AfD als „gesichert rechtsextrem“ ein 30-seitiges Ergänzungsgutachten ignoriert, in dem juristische Bedenken diesbezüglich darlegt worden seien. Das Gutachten soll Apollo vorliegen. Kramer äußerte sich gegenüber dem Medium Magazin erstmals öffentlich und gab an:

„Es gibt im Zusammenhang mit der Einstufung des Landesverbandes der AfD Thüringen als ‚gesichert rechtsextrem‘ kein im Thüringer Amt für Verfassungsschutz bekanntes ‚30-seitiges‘ Zusatzgutachten, das mit dem Prüfergebnis im Widerspruch steht.“

Nun muss man einem Verfassungsschutz-Chef nicht unkritisch Glauben schenken. Hier steht letztlich Aussage gegen Aussage. Beide lassen sich kaum überprüfen. Apollo könnte jedoch das genannte Gutachten veröffentlichen. Das ist im Rahmen investigativer Recherchen durchaus üblich, um eigene Behauptungen glaubwürdig zu belegen.

Apollo inszeniert sich hier als unbequemer Akteur, der aufdeckt, was etablierte Medien angeblich verschweigen würden, ungeachtet dessen, dass vieles bereits jahrelang bekannt war. Dass längst nicht alles ein Skandal ist, was in rechten Kreisen als solcher inszeniert wird, hat der Blog Übermedien in diesem Zusammenhang übersichtlich zusammengefasst.

Dass Apollo mit entsprechenden Veröffentlichungen jedoch Wirkung erzielt, zeigt der Umstand, dass der Thüringer Landtag 2025 auf Betreiben der AfD einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum Themenfeld einsetzte. Im Einsetzungsbeschluss wurde sogar der Wortlaut von Apollo übernommen. So spricht dieser ebenfalls vom „Kramer-Komplex“. Vor einer „Selbstverharmlosung der AfD“ warnte hingegen die Landtagsfraktion der Linken anlässlich der Einrichtung des PUA. So ist davon auszugehen, dass die AfD das demokratische Werkzeug PUA vor allem dafür nutzen wird, einen bekannten Kritiker zu diskreditieren und gleichzeitig von ihrer eigenen Demokratiefeindlichkeit abzulenken.


Foto: NASA auf unsplash.com

Die Redaktion – Teil 2

Die stellvertretende Chefredakteurin Pauline Schwarz hat Psychologie studiert. Ähnlich wie bei Mannhart lauten die Stationen ihrer bisherigen journalistischen Arbeit Achse des Guten, Tichys Einblick und Rome Medien. Sie schreibt laut ihrem Autorinnenprofil aufgrund „ihrer Arbeit in einem Betreuungsbüro und ihrer Kindheit in Berlin-Kreuzberg […] am liebsten zu Themen rund um Kriminalität und die gesellschaftlichen Folgen psychotischer Störungen“. Der Bezug zu diesem Berliner Stadtteil scheint zumindest für das Apollo-Publikum in diesem Zusammenhang nicht weiter erklärungsbedürftig.

Auch die Finanzchefin von Apollo News Larissa Fußer ist eine Quereinsteigerin. Sie gibt an, das zweite medizinische Staatsexamen absolviert zu haben. Ebenso wie Mannhart und Schwarz schrieb Fußer zuvor für die Achse des Guten und Tichys Einblick und war später Redakteurin bei Rome Medien. Laut Profil auf Apollo „fokussiert [sie] sich in ihren Artikeln vor allem auf die Corona-Aufarbeitung, Ernährungsmythen und die Verirrungen der MeToo-Bewegung“.[2]

In der Regel veröffentlicht Fußer, wie bei Apollo üblich, kürzere Videobeiträge. Diese unterscheiden sich von Meldungen sowie den sonstigen Kommentaren durch ihren häufig vermeintlich satirischen Charakter. Dabei arbeitet sich Fußer u.a. an diversen Moderator*innen der Öffentlich-Rechtlichen ab, die in rechten Kreisen als zu woke gelten. Dazu gehören Carolin Kebekus, Dunja Hayali, Anja Reschke und Jan Böhmermann.

Immer wieder driftet Fußer in verletzende und provozierende Beleidigungen ab. Diese dienen mitnichten einem journalistischen Anliegen. Die Linken-Politikerin Heidi Reichinnek bezeichnete sie etwa als „trotziges Pferdemädchen im Gewand einer Vorstadt-Rockgöre mit ADHS“, an deren „Anblick“ man „sich im Bundestag wohl vorerst gewöhnen“ müsse. Ein Video Fußers, in dem diese die Ermordung des US-amerikanischen extrem rechten Aktivisten Charlie Kirk und die anschließenden Reaktionen kommentiert, trägt den Titel „Charlie Kirk und der linke Zivilisationsbruch“. Mit Sicherheit gab es geschmacklose und menschenverachtende Reaktionen auf die Ermordung Kirks. Der Begriff Zivilisationsbruch stammt jedoch ursprünglich aus der Erforschung der Shoah und wurde durch den Historiker Dan Diner geprägt. Die Verwendung durch Apollo News in diesem Zusammenhang ist anmaßend und maximal polemisch. Das alles ist besonders bemerkenswert, da Fußer außerdem die Leiterin der „Apollo Akademie“ ist, die kostenlose Seminare für Nachwuchsjournalist*innen anbietet.

Mitte 2025 konnte Apollo News einen bemerkenswerten Neuzugang vermelden. Der vorherige Cicero-Redakteur Daniel Gräber wurde Teil der Apollo-Chefredaktion und ist seitdem dafür verantwortlich, ein Investigativ-Ressort aufzubauen. Gräber (Jahrgang 1980) ist nicht nur deutlich älter als alle bisherigen Redaktionsmitglieder, er dürfte auch der einzige mit einer klassischen journalistischen Ausbildung und Arbeitserfahrung bei etablierten Medien sein. Bekannt wurde Gräber aufgrund seiner Recherchen zu Korruptionsvorwürfen gegen den ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann oder zum von der Ampel-Koalition durchgeführten Atomausstieg. Damals klagte Gräber erfolgreich gegen das von Robert Habeck geführte Wirtschaftsministerium auf Aktenherausgabe bezüglich möglicher AKW-Laufzeitverlängerungen. Auf Bestreben der Unionsfraktion wurde im Nachgang ein PUA im Bundestag zum Thema eingesetzt.

Durch diesen personellen Neuzugang dürfte sich die Arbeitsweise von Apollo News weiter professionalisieren. In einem als Video-Podcast veröffentlichten Gespräch mit Mannhart machte Gräber deutlich, dass er den Kurs gegen die etablierte Presselandschaft weiterführen wird. Dem Spiegel etwa wirft er einen „relotiusartigen Schönschreib-Wohlfühl-Linksgrün-Blasenjournalismus“ vor.

Organisatorischer Aufbau

Getragen wird Apollo News von der Apollo Medien GmbH. Diese verfügt über ein Stammkapital von 34 806 Euro.

Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Apollo Medien GmbH ist mit 67,2 Prozent Max Xaver Mannhart. Ihm folgen die Redaktionsmitglieder Sebastian Wim Thormann (5,1 Prozent), Pauline Rebecca Schwarz (3,4 Prozent) und Larissa Maria Dshamilia Fußer (3,4 Prozent). Fußer fungiert als Einzelprokuristin. Daniel Gräber hält 2,5 Prozent. Weitere Gesellschafter sind Maximilian Rolf Gerhard Weidelt (2,1 Prozent) und Elisa Lüdtke (1,3 Prozent). Die beiden letztgenannten sind bislang nicht als Apollo-Redakteur*innen aufgetreten. Außerdem hält die Crocodile Capital GmbH mit Sitz in Lichtenstein neben Chefredakteur Mannhart die meisten Anteile, immerhin 15 Prozent.[3] Geschäftsführer von Crocodile Capital ist der Investor und ehemalige Aufsichtsrat der Freenet-AG Thorsten Kraemer.

Neben der Apollo Medien GmbH besteht zudem die Apollo Seminare gUG (haftungsbeschränkt) (gemeinnützige Unternehmergesellschaft, haftungsbeschränkt), welche für die Durchführung von Journalismus-Seminaren zuständig ist.

Eine UG bzw. gUG ist eine rechtliche Unterform einer gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Anders als diese benötigt sie ein deutlich geringeres Stammkapital. Das kann bei lediglich einem Euro liegen. Zum Vergleich: Bei einer gGmbH sind es fünfundzwanzigtausend Euro. Anders als bei gemeinnützigen Vereinen, für deren Gründung es sieben Gründungsmitglieder braucht, kann eine gUG auch von Einzelpersonen gegründet werden. Zudem muss eine gUG auch nicht auf die demokratische Mitbestimmung ihrer Mitglieder setzen. Um den Status der Gemeinnützigkeit zu erreichen, müssen entsprechende Ziele definiert werden. Im Falle der Apollo Seminare gUG sind dies:

„[…] die Förderung der Volks- und Berufsbildung. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch das Betreiben eines Weblogs und die Verfassung, Überarbeitung und Veröffentlichung von Artikeln, Videos und anderen Medienprodukten auf eigenen und fremden Weblogs sowie in den Sozialen Medien, Online- und Printzeitschriften, die Entwicklung und Planung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, insbesondere im Bereich der publizistischen und politischen Jugendarbeit, Durchführung von Veranstaltungen der beruflichen Fort- und Weiterbildung insbesondere im Bereich der publizistischen und politischen Jugendarbeit. Das Fort- und Weiterbildungsangebot umfasst Veranstaltungen aller Art, insbesondere Vorträge, Seminare und Veröffentlichungen z.B. in Form von Ausstellungen.“

Damit überschneidet sich der Zweck der gUG zumindest bezüglich der publizistischen Arbeit mit dem der nicht gemeinnützigen Apollo Medien GmbH. Geschäftsführer der gUG ist erneut Max Mannhart. Die Funktion der Einzelprokuristin übernimmt wieder einmal Larissa Fußer.

Wie finanziert sich Apollo News?

Laut eigener Aussage finanziert sich Apollo ausschließlich über Spenden und Werbeeinnahmen. Das Medium Magazin schätzte Anfang 2025, dass Apollo monatlich einen „mittleren fünfstelligen Betrag für 15 festangestellte Redaktionsmitglieder, weitere fünf freie Autoren sowie die Betriebskosten“ aufwenden müsse.

Die Werbeplätze auf Apollo News reichen von der klassischen Online-Bannerwerbung über Platzierungen in Videos bis hin zu gesponserten Artikeln und einem ganzen Homepage-Takeover. Dass gesponserte Artikel als solche von Leser*innen eventuell nicht erkannt werden, scheint Apollo nicht zu stören. Vielmehr macht man potenziellen Kund*innen diese Werbevariante schmackhaft. So heißt es diesbezüglich:

„Gesponserte Artikel unserer Werbekunden erscheinen (abgesehen von einer kleinen Transparenz-Kennzeichnung) wie reguläre Artikel und bringen unseren Lesern damit ihre Marke im gewohnten Umfeld nah.“

Werbefrei gibt es Apollo News nur für Leser*innen, die mindestens ein Basis-Abo für 3,99 € im Monat abschließen. Ein Adblocker tut es aber auch.

Auf dem YouTube-Kanal bzw. der Webseite von Apollo News werben regelmäßig die Firma Kettner Edelmetalle (inkl. Werbeclips mit Dieter Bohlen) und der Schreibwarenhandel Hörner, die auch auf anderen rechten Kanälen Anzeigen platzieren.[4] Zudem nutzt das Portal sogenannte Affiliate Links zu Angeboten von Werbepartner*innen, bei denen Apollo bei jedem Klick und anschließendem Warenkauf eine Provision erhält. Während der Recherche warben zudem große Firmen, Banken und sogar eine Krankenkasse über ein Plugin auf dem Portal.

Spenden an die Apollo-Seminare gUG sind zudem steuerlich absetzbar.

Journalismus-Seminare

Apollo setzt fast vollständig und betont offensiv auf eine junge Redaktion, deren Redakteur*innen sich als furchtlose Nachwuchsjournalist*innen inszenieren, die mit ihrem eigenen Medium neue frische Wege gehen.

Doch dabei belässt man es nicht. Vielmehr möchte Apollo die eigenen Werte auch in Seminaren vermitteln und hier gezielt Journalist*innen nach den eigenen Vorstellungen ausbilden. Nun ist die Berufsbezeichnung Journalist*in völlig zu recht nicht geschützt. Neben einer traditionellen Ausbildung an einer Journalist*innenschule gibt es in dem Feld seit jeher Quereinsteiger*innen. Dass Apollo News unter das Presserecht fällt ist ebenfalls unstrittig. Dieses ist aus gutem Grund breit gefasst. Über die Qualität eines Mediums sagt dies jedoch nichts aus. Ob Apollo News journalistische Standards einhält, daran gibt es allerdings berechtigte Zweifel. Das Medium Magazin schreibt diesbezüglich:

„,Apollo’ bezeichnet sich selbst als ,mit Abstand Deutschlands jüngste professionelle Redaktion’. Doch wird im Gespräch mit Max Mannhart nicht klar, ob ,Apollo’ zwischen journalistischem Handwerk und journalistisch anmutendem Sound unterscheidet – und ob das für den Chef überhaupt einen wesentlichen Unterschied ausmacht.“

Zu dieser Beschreibung passt auch die oben genannte Einordnung von Apollo News durch CeMAS als „Alternativmedium“. Diese erfolgt in expliziter Abgrenzung zu journalistischen Medien mit nachvollziehbaren Qualitätsstandards. Auch fällt auf, dass außer Daniel Gräber scheinbar kein Redaktionsmitglied eine Journalismusschule besucht hat. Ob man daher qualifiziert ist, entsprechende Seminare anzubieten, ist fraglich. Über die Inhalte der „Apollo Akademie“ genannten Veranstaltungen heißt es auf der Webseite:

„Dazu laden wir viermal im Jahr zu einem Wochenendseminar im Berliner Raum ein. Auf dem Programm stehen verschiedene Trainings und Übungen: beispielsweise schreiben und verbessern die Teilnehmer Artikel, erlernen Recherche-Techniken, führen Interviews und drehen Reportagen oder Kurzvideos.“

Außerdem rühmt man sich damit, dass Autoren wie Henryk M. Broder, Roland Tichy, Julian Reichelt, Ralf Schuler, Peter Hahne und Daniel Gräber an Veranstaltungen teilgenommen hätten, Personen die mehrheitlich für ihre Lautstärke im rechten Kulturkampf und weniger für ihren unaufgeregten sachlichen Ton bekannt sind. Für alle Teilnehmenden übernimmt Apollo großzügig sämtliche Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Eine Anmeldegebühr wird nicht fällig. Auch hier scheint also ausreichend Geld vorhanden.

Einfluss auch jenseits der AfD

Mit Apollo News hat sich in Berlin neben NIUS ein weiteres bundesweit berichtendes Kampagnenportal etabliert, das erfolgreich rechte Narrative bedient und diese in großem Umfang medial verstärkt. Dabei erreicht Apollo offenbar nicht nur die übliche Klientel der AfD und ihrer Wähler*innen, sondern auch Teile der Union. Als Beispiel kann die Debatte im Vorfeld der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin gelten. Gezielt säten Alternativmedien, rechte Influencer*innen und die AfD Zweifel an der Eignung der Rechtswissenschaftlerin. Ausgangspunkt war laut einer Analyse des Thinktanks Polisphere ein Apollo-Artikel. Es folgten Beiträge von NIUS, Tichys Einblick, Junge Freiheit, Compact und Auf1.

Ähnlich wie dessen Erfolg dürfte die Kritik an Apollo News mittelfristig jedenfalls nicht abflauen. Es gilt, die Mechanismen hinter rechten Kommunikationskampagnen offenzulegen und als solche klar zu benennen.


 

Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien zunächst im Rundbrief des apabiz monitor Nr. 101. 

  1.  Castell (von), Frederik/ Völlinger, Veronika: Raketenstart in die rechte Umlaufbahn. In: Medium Magazin 01/2025. Der Artikel des Medium Magazins ist die bisher umfangreichste Recherche zu Apollo News und als weiterführende Lektüre unbedingt zu empfehlen. Alle weiteren Zitate des Magazins beziehen sich auf diesen Text.
  2.  Das Profil wurde inzwischen geändert. Der entsprechende Text lässt sich über archivierte Webseitenversionen finden.
  3.  Die Angaben wurden auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.
  4.  Auf YouTube existieren unterschiedliche Arten von Werbung. Für Werbeclips, die vor oder während der Videos eingeblendet werden, definieren die Werber*innen bestimmte Zielgruppen, die angesprochen werden sollen. Anhand dieser Zielsetzung spielt YouTube die Werbung auf bestimmten Kanälen aus. Eine Auswahl einzelner Kanäle durch die Werber*innen erfolgt hier nicht zwangsläufig. Anders verhält es sich wiederum, wenn die Werbung direkt Teil des aufgenommenen Videos ist. Im Fall von Kettner Edelmetalle fanden wir Werbung vor den YouTube-Beiträgen als auch Werbung direkt auf der Apollo Webseite in Form von gesponserten Artikeln.
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