Wenig personelle Veränderungen bei Berliner NPD

 

Von Theo Schneider

Am Donnerstag gab die NPD die sechs Beisitzer in dem am vergangenen Samstag (04.02.2012) neu gewählten, nun von Sebastian Schmidtke angeführten Berliner Landesvorstand bekannt. Der frühere Landesvorsitzende Uwe Meenen und der ehemalige Bundesvorsitzende Udo Voigt wurden seine Stellvertreter. Die Personalien der Beisitzer im Vorstand belegen ein weiteres Mal die dünne Personaldecke und ein Festhalten an der bisherigen inhaltlichen Ausrichtung des Berliner Verbandes.

Schon unter der Führung Uwe Meenens befanden sich Josef Graf (Kreisverbandschef Treptow-Köpenick) als Schatzmeister, Sebastian Thom (Neuköllner NPD-Vorsitzender) als weiterer Beleg für die Durchsetzung der Berliner NPD durch „Autonome Nationalisten“ und der aktuelle Pressesprecher Stefan Lux (Treptow-Köpenick) im Landesvorstand.

Neu hinzugekommen ist der Versicherungskaufmann Tibor Haraszti, bei dem es sich um den ehemaligen stellvertretenden Landesvorsitzenden der Berliner Republikaner handelt, der noch 2006 für diese in Berlin kandidierte. Derzeit ist er der Vize-Chef der Reinickendorfer NPD.
Ebenfalls neu im Vorstand ist der Lichtenberger Jan Michael Keller. Neben seinen parteipolitischen Aktivitäten, wie seine Kandidatur 2011 für die NPD in Lichtenberg, spielt er in der Neonazi-Band „Kahlschlag“, mit der er im September 2010 am S-Bahnhof Schöneweide bei einem NPD-Konzert gegen „Überfremdung“ auftrat. Auf dem Cover der ersten CD von „Kahlschlag“ sind zwei Wehrmachtssoldaten vor einer Hakenkreuzfahne abgebildet.
Weiterer Beisitzer ist der Spandauer Thomas Eichberg (Jg. 1980), der als „Liedermacher“ bei NPD-Veranstaltungen bundesweit auftritt. So bei einem NPD-Grillfest in Heilbronn am 23. Juli 2011, zusammen mit Sebastian „Fylgien“ Döhring. Auch er veröffentlichte bereits eine CD, auf der ebenfalls zwei Wehrmachtssoldaten abgebildet sind, diesmal vor einem Reichsadler. Der Versicherungsfachmann kandidierte 2011 für die NPD in Spandau.

Interessant dürfte zu beobachten sein, wie Schmidtke die Vorgaben des NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel einer „seriösen Radikalität“ mit NS-Verherrlichern wie Keller und Eichberg und verurteilten Gewalttätern wie Sebastian Thom umsetzen will. Letzterer scheiterte selbst im Wahlkampf daran, nicht ohne Gewalttaten aufzufallen: Er soll im August als Kandidat der NPD in Neukölln drei Antifaschisten mit einem Messer bedroht und mit Pfefferspray attackiert haben.

Das Projekt „Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in kommunalen Gremien Berlins – Dokumentation und Analyse“ kommentierte den neuen NPD-Vorstand folgendermaßen: „So wie die Wahl des Trios Sebastian Schmidtke, Uwe Meenen und Udo Voigt an die Spitze des Landesvorstandes vor allem Einigkeit in dem seit mehreren Jahren krisengeschüttelten Berliner Landesverband der NPD demonstrieren soll, verdeutlicht auch die Zusammenstellung der Beisitzer personelle Kontinuität. Mit der ehemaligen Beisitzerin Michaela Zanker ist der Berliner NPD nicht nur eine Vertreterin des Pankower Kreisverbandes abhanden gekommen, sondern auch die einzige Frau im Vorstand.“